Niedrigenergiehaus-Beratung

Mit dem Wortteil „Hybrid“ verbinden die meisten Menschen zunächst Hybridfahrzeuge, die in der Antriebskombination aus einem Verbrennungsmotor und einem Stromspeicher bekannt sind. Der Begriff des Hybridhauses ist dagegen kaum bekannt. Doch das technische Grundprinzip, dass im Sinne der Bedeutung von „Hybrid“ (= zusammengesetzt aus Verschiedenartigem) für Fahrzeuge gilt, wird auch bei einem Hybridhaus angewendet: Das Ziel ist eine völlig autarke und nachhaltige Energie- und Warmwasserversorgung der Hausbewohner, die durch eine Kombination aus mindestens zwei Technologien aus dem Bereich der erneuerbaren Energien erreicht wird. Dabei werden auch CO2-Emissionen völlig vermieden, was neben der Ressourcenschonung dem Klimaschutz zugutekommt.

 

Was man unter einem Hybridhaus versteht

Der Begriff „Hybridhaus“ ist nicht geschützt oder konkret definiert, sodass damit auch keine bestimmte Güte oder ein klarer und verbindlicher Anforderungskatalog an ein solches Gebäude verknüpft werden können. Zahlreiche Baufirmen bezeichnen bereits sämtliche Effizienzhausstufen, die von der KfW gefördert werden, als Hybridhaus, weil mit zwei nachhaltigen Energiegewinnungsprinzipien (z. B. Photovoltaik und Erdwärme) Energie für die Raumheizung und Warmwasserbereitung erzeugt wird.

Innovative Baufirmen sind hier jedoch schon deutlich weiter:

Sie sehen das Haus nicht nur als Energiespar- oder –gewinnungsmöglichkeit, sondern beschäftigen sich mit dem gesamten Lebenszyklus des Gebäudes und dessen Nachhaltigkeit. So beginnt bereits die Auswahl der Baustoffe damit, ausschließlich regenerative Materialien zu verwenden, die zugunsten eines kurzen Transportweges möglichst regional hergestellt wurden. Dies könnte ein Grund dafür sein, dass sich unter den klassischen Fertighausherstellern, die Häuser mittels im Werk vorproduzierten Holzständerkonstruktionen erstellen, kaum eine Firma findet, die Hybridhäuser auf einem erhöhten Anforderungsniveau herstellt. Wer ganz sicher gehen will, dass sein Haus aus nachhaltig hergestellten Baumaterialien gebaut wurde, kann sich auf das Siegel der „Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB)“ verlassen. Die Möglichkeiten, ein Eigenheim ohne Energie- und Heizkosten zu bauen, ähneln stark denen beim Bau eines Effizienzhauses. Beim Einsatz von zwei oder mehr regenerativen Energiequellen ist jedoch nicht verbindlich von ganz bestimmten Methoden auszugehen. Die Möglichkeiten, nachhaltig mit erneuerbaren Energien umzugehen, richten sich häufig nach den individuellen Voraussetzungen.

Um dies zu verdeutlichen, sollen hier die bekanntesten Möglichkeiten zur Gewinnung von regenerativer Energie beim Hausbau erläutert werden:

 

Solaranlagen

Mithilfe einer Photovoltaikanlage Strom oder mit einer Solarthermieanlage Warmwasser zu gewinnen und die Heizungsanlage zu unterstützen, ist nahezu Jedem, der sich mit den Themen Hausbau oder Energie beschäftigt, geläufig. Die mit einer Photovoltaikanlage erzeugte überschüssige Energie kann außerdem gegen Entgelt in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden. In beiden Fällen ist es üblich, die Solarzellen auf dem Hausdach zu installieren, am günstigsten ist dabei eine südliche Dachausrichtung. Die Effizienz einer solchen Anlage kann jedoch Verschattungen deutlich beeinträchtigt werden:

  • Verschattungen durch Bäume
    Oft stehen Bäume so ungünstig, dass sie für eine stundenlange Verschattung des Daches sorgen. In dieser Zeit erzeugen Solaranlagen keine Energie, sodass auf andere Möglichkeiten der Wärmeerzeugung zurückgegriffen werden muss. Da durch Photovoltaik kein Strom erzeugt werden kann, muss dieser aus dem öffentlichen Stromnetz bezogen werden. Die Bilanz fällt hier für den Hauseigentümer noch schlechter aus, da auch kein selbst erzeugter Strom ins öffentliche Netz eingespeist werden kann. Ob ein Baum jedoch gefällt werden kann, hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab: Wenn nicht bereits eine kommunale Baumschutzsatzung die Fällung erschwert oder verhindert, wird es bei einem Baum, der auf dem Nachbargrundstück steht, ungleich schwieriger, eine Fällerlaubnis zu erhalten. Diese Fragen müssen also bereits in der Planungsphase bedacht werden.

  • Verschattungen durch Gebäude
    In Baugebieten, die vollständig nach Energiesparkriterien konzipiert werden ist es mittlerweile üblich, den Standort jedes einzelnen Hauses unter dem Gesichtspunkt der Verschattung durch Nachbarhäuser zu vermessen. Bei einem einzeln gebauten Haus kann das übersehen werden. Dieser Fehler ist jedoch nicht revidierbar, wenn das Eigenheim fertig ist und führt über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes zu finanziellen Einbußen.

Wärmepumpen

Wärmepumpen aller Art arbeiten nach einem festen Prinzip: Sie entziehen einem Wärmeträger seine Wärme und geben sie als Heizenergie an das Gebäude weiter. Diese entzogene Umweltwärme wird innerhalb der Wärmepumpen-Anlage mithilfe von zwei Wärmetauschern in einem geschlossenen Kreislauf auf ein höheres Temperaturniveau „gepumpt“, was dieser Form der Energiegewinnung ihren Namen gab. Als Wärmeträger kommen üblicherweise das Erdreich, das Grundwasser oder die Umgebungsluft in Betracht. Die effizienteste und am weitesten verbreitete Variante ist die Erdwärmepumpe.

Kontrollierte Be- und Entlüftung inkl. Wärmetauscher

Da energiesparende Häuser luftdicht gebaut sind und im Gegensatz zu Altbauten kein Luftaustausch durch Mauerritzen oder nicht völlig schließende Fenster stattfindet, muss der Luftaustausch mit einer Lüftungsanlage hergestellt werden. In energieeffiziente Neubauten werden deshalb üblicherweise zentrale Lüftungsanlagen eingebaut. Mit einem Ventilator wird die Luft aus den Feuchträumen entzogen, die Außenluft wird mit einem zweiten Ventilator über Belüftungskanäle in alle anderen Wohnräume geleitet. Die Frisch- und auch die Abluft passieren jeweils einen Wärmetauscher. Anlagen dieser Bauart sind mit einem Wirkungsgrad von bis zu 95 % deutlich effektiver als Abluft- oder dezentrale Anlagen. Hier sind nähere Informationen zum Thema Be- und Entlüftung bereitgestellt: www.hausbauberater.de/lueftungskonzept.

Fernwärme

Fernwärme kann für die Versorgung eines Hybridhauses nur begrenzt als Energiequelle angesehen werden, wenn der Anspruch an die Nachhaltigkeit sowie das Kriterium der erneuerbaren Energie eingehalten werden soll. Sie wird derzeit überwiegend durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen sowie Atomkraft bereitgestellt. Fernwärme kommt jedoch in Betracht, wenn es sich um sog. „Solare Fernwärme“ handelt, für die im deutschen Sprachraum auch der Begriff „Nahwärme“ verwendet wird. Dabei handelt es sich um Anlagen, die sowohl Industrie- als auch Wohngebiete mithilfe von großflächigen Kollektorfeldern zumindest zum Teil mit Solarwärme versorgen. Europaweit werden aktuell 86 solare Fernwärmekraftwerke betrieben, davon 12 in Deutschland. Eine Auflistung ist hier zu finden.

 

Bauweise und Baumaterialien

Wie bei einem Passivhaus sollte auch bei einem Hybridhaus auf eine klare Gebäudestruktur ohne vorspringende Elemente wie z. B. Erker geachtet werden, um unnötige Wärmeverluste zu vermeiden. Das ehrgeizige Ziel, ein Haus ohne Energiekosten und CO2-Emissionen zu bauen, setzt selbstverständlich auch die Verwendung geeigneter Baustoffe voraus. Das Hybridhaus wird dabei hinsichtlich des Maueraufbaus und der Wärmedämmung von Dach und Wänden auch in dieser Hinsicht ebenso ausgestattet wie ein Passivhaus. Darüber hinaus sind Energiesparfenster sowie Außentüren mit einem sehr günstigen Wärmedurchlasswert unverzichtbar.

Hybridhäuser sind in Deutschland noch die Ausnahme. Daher kann die Besichtigung eines der fortschrittlichsten und ehrgeizigsten Gebäude dieser Art hilfreich sein, sich ein umfassendes Bild von diesem innovativen Haustyp zu machen. Da selbst Erlebtes allemal interessanter ist als Gelesenes, empfehlen wir den Besuch des „Hybrid House Hamburg“ in Hamburg-Wilhelmsburg. Im Rahmen der „Internationalen Bauausstellung“ in Hamburg kann das 2011 eingeweihte Gebäude seit 23. März 2013 besichtigt werden. Mit der Eröffnung der „Internationalen Gartenschau“ (igs) am 26. April 2013 wird es als Verwaltungssitz der igs genutzt und steht ab 2014 zur Vermietung zur Verfügung. Nähere Informationen gibt es unter www.hybrid-house-hh.de

 

Kosten und Nutzen

Auch, wenn zahlreiche Baufirmen ihren Kunden vermitteln, dass diese mit dem Bau eines Hybridhauses durch die langfristige Kostenersparnis in die Zukunft investierten, muss in jedem Fall genau hingesehen werden:

Die Einspeisevergütung für die Strommenge, die im Haus nicht gebraucht und darum dem öffentlichen Stromnetz zugeführt wird, wird kontinuierlich abgesenkt. Unter www.bundesnetzagentur.de kann diese Entwicklung nachvollzogen werden.

Seit dem 1.4.2012 ist außerdem der Eigenverbrauchsbonus ersatzlos gestrichen worden, der die Installation von Strom produzierenden Anlagen ebenfalls attraktiv machte. Sobald in Deutschland insgesamt 52 Gigawatt Solarstrom produziert werden, wird die Einspeisevergütung für neue Solaranlagen vollständig entfallen. Nach Angaben der Bundesregierung beträgt die derzeit produzierte Solarstrom-Menge 30 Gigawatt, bereits Ende 2020 wird mit 90 Gigawatt gerechnet. Der Einnahme der Einspeisevergütung stehen hohe Investitionskosten gegenüber: Für einen Stromspeicher sollten ca. 6.000,-- € kalkuliert werden, wenn es sich ein Einfamilienhaus durchschnittlicher Größe handelt.

Soll eine Grundwasser-Wärmepumpe eingesetzt werden, sollten

  • 4.500-5.500 Euro für zwei Schluckbrunnen mit je 15 m Tiefe und
  • 9.000-12.000 Euro für die Erdwärmepumpe veranschlagt werden.

Eine Erdwärmepumpe ist etwas kostengünstiger:

  • die Anschaffungskosten liegen bei 8.500-11.500 Euro
  • eine Erdwärmesonde kostet je kW Heizleistung zwischen 650 und 950 Euro.
    Da für ein Standard-Einfamilienhaus von einem Bedarf von 8-9 kW auszugehen ist, liegt der Preiskorridor bei 5.200 bis ca. 8.500 Euro. Weniger effektive Erwärmekollektoren kosten zwischen 250 und 300 Euro/kW Heizleistung, also 2.000 bis 2.700 Euro.
    Für Erdwärmesonden entstehen Bohrungskosten von in der Regel 30-50 Euro pro Meter Bohrtiefe. Bei widerstandsfähigem Boden können die Kosten hierfür jedoch ansteigen. Die Bohrungen haben eine Tiefe von 100 Metern, dieser Wert richtet sich jedoch nach der Bodenbeschaffenheit und dem Wärmebedarf und kann daher nach unten oder oben abweichen. Generell ist also von Bohrkosten zwischen 3.000 und 5.000 Euro auszugehen.
    In jedem Fall kommen noch Montagekosten hinzu, deren Höhe hier nicht beziffert werden kann.

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