Niedrigenergiehaus-Beratung

Häuser, die mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen. Sind sie ein Wunschtraum oder Realität? Schon seit einigen Jahren spielen Begriffe wie Passivhaus oder Nullenergiehaus eine immer größere Rolle bei der Projektierung neuer Häuser. Der Begriff Plusenergiehaus jedoch wirft bei vielen Bauinteressenten zunächst viele Fragen auf, die wir hier zu beantworten versuchen.

 

Was genau ist eigentlich ein Plusenergiehaus?

Wenn die Rede von einem Plusenergiehhaus ist, dann spricht man von einem Haus, welches eine so hervorragend gedämmte bauliche Hülle hat, dass es mehr Energie erzeugt als tatsächlich verbraucht wird. Mittels einer Solaranlage werden im Sommer Überschüsse an Strom produziert, die dann ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden können. Kommt es bei extremen Witterungsbedingungen hingegen zu Lücken in der Stromversorgung, so kann man als Hauseigentümer selbstverständlich Strom aus dem öffentlichen Netz ziehen.
Der Begriff „Plusenergiehaus“ ist markenrechtlich geschützt, die Rechte liegen beim Architekten Rolf Disch. Er baute 1994 in Freiburg im Breisgau ein Drehsolarhaus mit dem Namen „Heliotrop“, das sich im Tagesverlauf mit der Sonne dreht. Das Haus ist durchgehend ökologisch konzipiert und verfügt z. B. über eine Regenwassernutzungsanlage, eine Schilfkläranlage und Trockenkomposttoiletten.

 

Dies unterscheidet ein Plusenergiehaus vom Passivhaus

Der Unterschied zwischem einem Plusenergiehaus zu einem Passivhaus ist sehr schnell erklärt: Ein Passivhaus nutzt zwar auch Energiequellen wie die Sonne oder Technikabwärme, es erzeugt aber selbst keine regenerativen Energien.

Dies unterscheidet ein Plusenergiehaus vom Effizienzhaus

Auch der Unterschied zwischem einem Plusenergiehaus und einem Energieeffizienzhaus ist einfach erläutert: Bei einem Energieeffizienzhaus steht die radikale Senkung des Energieverbrauchs im Vordergrund. Bei den Plusenergiehäusern hingegen wird die gesamte Energie für den Eigenverbrauch und ein Plus an Energie selbst produziert. So entfallen teure Leitungskosten und Leitungsverluste für den Energieverbrauch.

 

Funktionsweise der Plusenergiehäuser

Generell wird diese Art des Hauses nach Süden ausgerichtet, damit über die Fensterverglasung Sonnenenergie aufgenommen und dann wiederum zum Heizen des Hauses genutzt wird. Über diese Solaranlage werden auch die Lüftung und die elektrischen Geräte im Haushalt mit Strom versorgt. Durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach wird Energie selbst erzeugt, genutzt und gespeichert. Die eben erwähnte Lüftungsanlage spielt bei den Plusenergiehäusern eine sehr wichtige Rolle: Sie sorgt dafür, dass die warme Luft gleichmäßig im Haus verteilt wird. Um eine ordnungsgemäße Funktion eines Plusenergiehauses zu gewährleisten, müssen sich dessen Nutzer den Gegebenheiten anpassen: Maßvolles Heizen und Stoßlüften sind in Plusenergiehäusern oberstes Gebot.

 

Gebäudehülle und Heiztechnik

Damit aus Häusern Plusenergiehäuser werden, ist eine Gebäudehülle, die optimal gedämmt ist und somit Wärmebrücken vermeidet, Pflicht. Dabei gilt es, bestimmte Wärmedurchgangswerte für die Außenwände und für das Dach zu erreichen. Bei der Heiztechnik hingegen ist man nicht an eine bestimmte Technologie gebunden, wichtig ist nur, dass erneuerbare Energien zum Einsatz kommen. So gibt es Wärmepumpen, die Erd- und Luftwärme nutzen oder hausinterne Windkraftanlagen. In den meisten Fällen wird im Plusenergiehaus mit einer Frischluftheizung nebst Wärmerückgewinnung gearbeitet, wobei das Heizsystem intelligent steuerbar ist. Heizkörper wird man hier vergeblich suchen, alles funktioniert über eine Flächenheizung im Fußboden oder in den Wänden.

 

Vorteile

Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, werden bei der Plusenergiehaus-Projektierung alle modernen Technologien, die in der Wärmedämmtechnik und in der Nutzung regenerativer Energien bekannt sind, zum Einsatz gebracht. Fassaden werden z. B. so konstruiert, dass sie die Wohnräume nicht nur gegen Kälte und Hitze aus der Umgebung dämmen, sondern auch noch elektrischen Strom erzeugen. Das Dach hat keine herkömmliche Eindeckung, sondern besteht ebenfalls aus Photovoltaikelementen. Hochdämmende Fenster und Türen sind unverzichtbar, eine kleine Windkraftanlage sorgt für elektrischen Strom, wenn die Sonne nicht scheint. Das Elektroauto der Bewohner wird mithilfe der Solarzellen auf dem Dach des Carports geladen. Elektrische Pufferspeicher sorgen für eine kontinuierliche Eigenversorgung mit elektrischem Strom, intelligente Netze ermöglichen das aufwändige Energiemanagement und die Einspeisung des überschüssigen Stroms ins Netz. Ein Mini-Blockheizkraftwerk oder ein Biomasse-BHKW könnten weitere Plusenergiehaus-Komponenten sein.

 

Plusenergiehäuser werden als Modellprojekte staatlich gefördert

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) fördert Plusenergiehäuser durch Zuschüsse. Um die Markteinführung der Plusenergiehäuser zu beschleunigen, sieht die entsprechende Richtlinie bis zu 70.000 Euro Zuschuss für Planung, Ausführung und Auswertung der Erfahrungen vor. Zusätzlich werden für den Wärmeschutz und den Einsatz regenerativer Energietechnik im Plusenergiehaus bis zu 300 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche als Förderung gewährt.

Dies gilt es zu beachten:

Die Summe der Fördermittel ist begrenzt, die Bewilligung erfolgt nach der Reihefolge des Antragseingangs. Das Projekt wird von einer Arbeitsgruppe begleitet, die vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung bestimmt wird. Das Vorhaben darf erst nach Vorliegen der Förderzusage begonnen werden, spätestens 6 Monate nach der Bewilligung muss mit der Baudurchführung begonnen werden. Nach der Fertigstellung beginnt eine 24monatige Monitoringphase, um die Erfahrungen für die Forschung zugänglich zu machen.

 

Fazit
Gegenwärtig entfallen fast 40 % des gesamten Endenergiebedarfs auf Gebäude. Das Plusenergiehaus macht Hoffnung, dass sich das in Zukunft grundlegend ändern könnte. Noch brauchen Bauherren eine Menge Idealismus, um sich als Vorreiter in Sachen Plusenergiehäuser zu engagieren. Die staatliche Förderung honoriert diesen Mut mit nennenswerten Fördermitteln, sodass die Entscheidung für ein Plusenergiehaus etwas leichter fallen könnte.

 

 

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