Niedrigenergiehaus-Beratung

Um zu erfahren, welche Fördermöglichkeiten Bauinteressenten für ein Passivhaus in Anspruch nehmen können, soll zunächst geklärt werden, was ein Haus zu einem Passivhaus macht. Der Wortteil „passiv“ deutet bereist auf eine wesentliche Eigenschaft dieses Gebäudetyps hin: Ein Passivhaus wird völlig luftdicht gebaut, ist mit einer hochwertigen Wärmedämmung ausgestattet und vermeidet mithilfe eines Wärmetauschers den Verlust von Lüftungswärme. Diese Vorkehrungen sorgen dafür, dass ein Passivhaus ohne eine Heizungsanlage auskommt. Der Begriff Passivhaus ist zwar nicht rechtlich geschützt, seriöse Architekten und Baufirmen halten sich jedoch an die vom Passivhaus Institut in Darmstadt vorgegebenen Rahmenbedingungen. Danach müssen die folgenden Eckwerte eingehalten werden:

  • Energiekennwert für Heizwärme max. 15 kWh/(m²•a) oder Heizwärmelast max. 10 W/m²,
  • Drucktestluftwechsel (Blower-Door-Test): n50 max. 0,6 h−1 sowie ein
  • Energiekennwert der gesamten Primärenergie max. 120 kWh/(m²•a) inkl. Haushaltsstrom

Für Nichtwohngebäude gilt darüber hinaus:

  • Energiekennwert Nutzkälte (= Kühlbedarf von Gebäuden): max. 15 kWh/(m²•a)
  • sowie Sonderbedingungen für vom kühl-gemäßigten Klima Europas abweichende Standortbedingungen und Sonderfälle der Gebäudenutzung.

 

Irritationen durch Änderungen der KfW-Förderbedingungen

Bis zum 31. März 2016 wurde das Passivhaus gleichberechtigt neben den KfW-Effizienzhäusern im Programm „Energieeffizient Bauen“ (Nr. 153) aufgeführt.

Das hat sich zum 1. April 2016 geändert:
Seitdem wird es nicht mehr ausdrücklich genannt, kann jedoch abhängig vom Erreichen eines energetischen Effizienzhausniveaus  als KfW-Effizienzhaus 55, 40 oder 40 Plus weiterhin gefördert werden. Es muss allerdings in der Berechnung nach dem Passivhaus-Projektierungspaket (PHPP) nun zusätzlich nachgewiesen werden, dass der Transmissionswärmeverlust und der Jahres-Primärenergiebedarf den Anforderungen, die an ein KfW-Effizienzhaus gestellt werden, genügen.

  • Programm 153
    Die Förderung des Programms 153 kann sowohl für ein neu gebautes als auch erstmals erworbenes Passivhaus in Form eines zinsgünstigen Kredits in Anspruch genommen werden.
    Sie beträgt maximal 100.000 Euro je Wohneinheit mit einer bis zu 20-jährigen Zinsbindung; in Abhängigkeit des erreichten KfW-Effizienzhausstandards wird ein Tilgungszuschuss zwischen 5.000 und 15.000 Euro pro Wohneinheit gewährt, der von der Kreditsumme abgezogen wird und so die Laufzeit verkürzt.

  • Programm „Energieeffizient Bauen“
    Das Programm „Energieeffizient Bauen“ kann mit dem Programm „Energieeffizient Bauen und Sanieren – Zuschuss Baubegleitung“ (Nr. 431) kombiniert werden. Bei Honoraren für eine qualifizierte Baubegleitung von bis zu 4.000 Euro werden hiervon 50 % bezuschusst. Fällt das Honorar sehr gering aus, müssen Antragsteller ggf. auf diese Förderung verzichten: Die KfW zahlt nur Zuschussbeträge aus, die eine Mindesthöhe von 300 Euro haben. In der Anlage zum Programm-Merkblatt wird die Zertifizierung von Passivhäusern ausdrücklich als genehmigungsfähige Leistung aufgeführt.

 

KfW-Förderung ohne Bedingungen an den KfW-Effizienzhausstandard

Sofern eine selbstgenutzte Wohnimmobilie gekauft oder gebaut wird, unterstützt die KfW dieses Vorhaben mit einem zinsgünstigen Kredit von bis zu 50.000 Euro im Rahmen des Programms „KfW-Wohneigentumsprogramm“ (Nr. 124). Gefördert werden auch unterschiedliche Kosten, die im Zusammenhang mit einer durch eine Schenkung oder Erbschaft erhaltenen Wohnimmobilie entstehen.

 

KfW-Förderungen, die helfen, ein Haus zum Passivhaus werden zu lassen

  • Programm „Erneuerbare Energien – Standard“ (Nr. 270)
    Das Programm „Erneuerbare Energien – Standard“ (Nr. 270) richtet sich sowohl an Privatleute als auch Unternehmen sowie weitere Zielgruppen. So erklärt sich auch der höchstmögliche Kredit von 50 Mio. Euro. Die KfW fördert hiermit die Errichtung, die Erweiterung und den Kauf von Anlagen, mit denen erneuerbare Energien (Wind, Wasser, Sonnenlicht, Biomasse) genutzt werden können, aber auch den Betrieb von Batteriespeichern. Da ein Passivhaus nicht ohne erneuerbare Energien (bei privaten Wohnhäusern mehrheitlich Solarenergie) auskommt, ist dieses Förderprogramm für alle Bauinteressenten, die sich diesen Gebäudetyp wünschen, attraktiv.

  • „Erneuerbare Energien – Speicher“ (Nr. 275)
    Mit dem KfW-Programm „Erneuerbare Energien – Speicher“ (Nr. 275) werden Eigentümer von Photovoltaik-Anlagen mit einem Kredit gefördert, der ihnen die Anschaffung eines stationären Batteriespeichers ermöglichen soll. Das Programm hat am 1. März 2016 begonnen und läuft mit dem 31. Dezember 2018 aus. Je nach Antragszeitpunkt wird ein Tilgungszuschuss von bis zu 25 % gewährt, der sich mit Zeitablauf für spätere Anträge im Halbjahresrhythmus um jeweils drei Prozentpunkte bis auf 10 % des Kreditbetrags reduziert.

 

Auch interessant: Förderung durch das BAFA

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) unterstützt bei Neu- und Bestandsbauten effiziente Wärmepumpen sowie Biomasse- und Solaranlagen mit Zuschüssen. Da diese Förderungen an zahlreiche Vorgaben gebunden sind und unterschiedlich hoch ausfallen, soll an dieser Stelle nur auf die Fundstellen auf der BAFA-Website verwiesen werden, wo umfangreiche Informationen zur Verfügung gestellt wurden:

  • Anreizprogramm Energieeffizienz
  • Biomasse
  • nachträgliche Optimierung einer bereits geförderten Heizungsanlage oder Check der Wärmepumpe
  • Solarthermie
  • Visualisierung des Ertrags von erneuerbaren Energien
  • Wärmepumpen

In den BAFA-Programmen ist nicht ausdrücklich von Förderungen von Passivhäusern die Rede, sie unterstützen Bauherren oder Sanierer aber dabei, diesen Standard zu erreichen.

 

Beim Bau oder der Sanierung eines Passivhauses nicht vergessen: Auch die Länder fördern

Fast alle Bundesländer haben Förderprogramme zum energetischem Bauen oder Sanieren aufgelegt, von denen Passivhäuser selbstverständlich ebenfalls profitieren. Da sich deren Umfang und die Voraussetzungen häufig ändern, fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Internet-Datenbank energiefoerderung.info, die ständig aktualisiert wird. Hier können infrage kommende Förderungen des Bundes, der Länder sowie der Kommunen mit der Eingabe des Bundeslandes oder der Postleitzahl abgefragt werden.

 

 

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