Niedrigenergiehaus-Beratung

Die Energieeinsparverordnung, kurz EnEV, ist Teil des deutschen Wirtschaftsverwaltungsrechts. Auf der rechtlichen Grundlage des Energieeinsparungsgesetzes (EnEG) beschreibt sie bautechnische Standardanforderungen zum Energieverbrauch von Wohngebäuden, Bürogebäuden und diversen Betriebsgebäuden. Die Einführung der überarbeiteten EnEV-Novelle war zwar schon für 2013 geplant, hat sich aufgrund der langen Abstimmungsprozesse jedoch so hinausgezögert, dass die neue Fassung erst zum 1. Mai 2014 in Kraft getreten ist. Wie alle EU-Staaten muss auch Deutschland die von der EU in der „EU-Gebäuderichtlinie 2010 für energieeffiziente Gebäude“ festgelegten Werte für Niedrigenergiegebäude erreichen, die ab 2019 für öffentliche und ab 2021 für private Neubauten verbindlich sind. Dabei ist die EnEV 2014 lediglich ein weiterer Schritt, diese Vorgaben zu erreichen.

 

Die EnEV 2014 beim Neubau

Für Neubauten, die ab dem 1.1.2016 errichtet werden, sind die neuen energetischen Anforderungen zu erfüllen. Dazu gehören die Senkung des zulässigen Wärmedurchgangskoeffizienten (= Dämmwert der Gebäudehülle) um 20 % und die des zulässigen Jahres-Primärenergiebedarfs um 25 %. Die Eckdaten für das für die Bewertung heranzuziehende Referenzgebäude bleiben unverändert.

  • Ausnahmeregelung für Nichtwohnbauten
    Ausnahmen sind die sog. Nichtwohnbauten mit mehr als vier Meter hohen Räumen: Für sie muss der neue Jahres-Primärenergiebedarf nicht eingehalten werden, wenn sie mit Gebläse- oder Strahlungsheizungen beheizt werden.
  • Ausnahmeregelung für Wochenend- und Ferienhäuser
    Sofern sie nur in den warmen Monaten genutzt werden, müssen sie sich – außer bei der Heiz- und Klimatechnik – nicht an die Anforderungen der EnEV halten. Für sie muss jedoch sichergestellt werden, dass ihr Energieverbrauch wenigstens ¼ unter demjenigen Verbrauchswert liegt, der bei einer ganzjährigen Nutzung des Hauses entstehen würde.

Berechnung des selbstgenutzten Stroms in der EnEV 2014

Die EnEV 2014 sorgt hier für Deutlichkeit, da sie eine Berechnungsmethode einführt, die den Strombedarf als Monatswert erfasst. Hierzu wird die neue Fassung der DIN V 18599 (Energetische Bewertung von Gebäuden) herangezogen.

 

Die EnEV 2014 für Besitzer von Bestandsgebäuden

Austausch alter Heizkessel

Generell gibt es eine Austauschpflicht für alle Heizkessel, die älter als 30 Jahre oder vor 1985 in Betrieb gegangen sind. An dieser Stelle wurde die Vorgabe der EnEV 2009 verschärft, die einen Austausch von Heizkesseln, die vor 1978 in Betrieb genommen wurden, vorschrieb.Aber auch für diese Neuerung gilt: Keine Regel ohne Ausnahme. Unter diesen Voraussetzungen besteht keine Austauschpflicht für alte Heizkessel:

  1. In Ein- oder Zweifamilienhäusern, die von den Eigentümern am 1. Februar 2002 in wenigstens einer Wohneinheit selbst genutzt wurden, können die alten Heizkessel weiter in Betrieb bleiben. Sollte das Haus jedoch verkauft worden sein, hat der neue Eigentümer die Pflicht, im Laufe von zwei Jahren einen Austausch des Heizkessels zu veranlassen. Hier wurde die bereits in der EnEV 2002 getroffene Regelung weiterhin beibehalten.
  2. Brennwert- oder Niedertemperaturkessel mit einem hohen Wirkungsgrad müssen ebenfalls nicht ausgetauscht werden. Von der Austauschverpflichtung sind ausschließlich Konstanttemperaturkessel betroffen.

 

Energieeinsparverordnung und Energieausweise

Eine der wichtigsten Änderungen betrifft die Berechnungen für den EnEV-Nachweis:
Sofern für einen ungekühlten Neubau die vorgeschriebene Standardausstattung bezüglich Größe, Form, Dichtheit, Ausrichtung sowie der Vermeidung von Wärmebrücken erfüllt wird, muss keine explizite Berechnung mehr durchgeführt werden.
In allen zur Vermietung oder zum Verkauf eines Gebäudes veröffentlichten Immobilieninseraten müssen in Zukunft Angaben zur Energieeffizienzklasse gemacht werden. Neu ist auch, dass sich die Energiekennwerte nicht mehr auf die Gebäudenutzfläche, sondern auf die Wohnfläche beziehen müssen. Diese Vorgaben gelten aber lediglich für Energieausweise, deren Ausstellung nach dem Inkrafttreten der EnEV 2014 erfolgt. Gibt es für ein Haus einen Energieausweis nach altem Recht, der noch keine Energieeffizienzklassen aufführt, müssen diese auch nicht im Inserat genannt werden.

Die EnEV 2014 sieht strengere Auflagen zur Handhabung der Energieausweise vor:

Wenn eine Immobilie verkauft oder vermietet werden soll, muss schon beim Besichtigungstermin der Energieausweis vorgelegt werden. Wird dann ein Miet- oder Kaufvertrag abgeschlossen, muss der Energieausweis in Kopie vorgelegt bzw. als Original übergeben werden.

Stichprobenkontrollen für Energieausweise sowie Inspektionen von Klimaanlagen

In Anlehnung an die EU-Gebäuderichtlinie liegen diese Überwachungsaufgaben im Aufgabenbereich der Bundesländer. Die Inspektoren haben jedoch kein Betretungsrecht für Wohngebäude. Werden jedoch Ordnungswidrigkeiten nach § 27 EnEV nachgewiesen, können Bußgelder verhängt werden, die sich nach dem Energieeinsparungsgesetz 2013 (EnEG 2013) richten. Diese können sehr drastisch ausfallen: So kann beispielsweise das Fehlen des Energieausweises bei einem Immobilienverkauf oder einer Vermietung zu einem Bußgeld von bis zu 15.000,-- Euro führen.

 

Welche Gebäude sind von der EnEV betroffen?

  1. Gebäude, die als Wohngebäude genutzt werden: Gebäude mit Innentemperaturen von 19 Grad Celsius, die im Jahr mehr als vier Monate geheizt werden.
  2. Gebäude mit Niedriginnentemperaturen (mehr als 12° und unter 19° C) und einer Heizdauer von mehr als vier Monate pro Jahr. Einbezogen werden ebenfalls Heizungs- und Raumluftanlagen sowie Anlagen, die zur Trinkwarmwasserbereitung dienen.

Differenzierungen im Geltungsbereich der Anforderungen an Neu- oder Bestandsbauten oder Anforderungen, die für beide Bereiche zählen, werden in folgenden Regelungen getroffen:

  • Gebäude in betrieblicher Nutzung, die zum Großteil der Tierhaltung dienen
  • unter Denkmalschutz stehende Gebäude
  • Betriebsgebäude mit großen Flächen, die über längere Zeit offen sein müssen
  • unterirdisch angelegte Bauwerke
  • Räume, die zur Pflanzenzucht dienen (z. B. Gewächshäuser)
  • Zelte und ähnliche Gebäude; Gebäude, die wiederholt auf und abgebaut werden können

 

Muss ich einen Nachweis für mein Gebäude gem. der EnEV durchführen?

Ob und in welcher Weise ein Nachweis erbracht werden muss, hängt grundsätzlich von der Beantwortung dieser Frage ab: Handelt es sich um einen Neubau oder um ein bestehendes Gebäude?

Hierbei gelten verschiedene Vorschriften:

  1. Bei neuen Gebäuden, deren Innentemperatur höher als 19° C ist, sind der Wert des Jahres- Primärenergiebedarfs sowie des Transmissionswärmeverlustes in Anhang 1 Tabelle 1 der EnEV ausschlaggebend.
  2. Bei Niedrigtemperatur-Gebäuden (Temperatur unter 19° C) und/oder einem Volumen von weniger als 100 m³ sind geringere Werte zu erbringen oder ein vereinfachtes Nachweisverfahren durchzuführen.
  3. Beim sommerlichen Wärmeschutz ist die Einhaltung der Sonneneintragskennwerte nachzuweisen.
  4. Für Bestandsänderungen in Bezug auf Altbauten sind je nach Maßnahme die angegebenen Wärmedurchgangskoeffizienten oder die Werte des gesamten Gebäudes des Jahres-Primärenergiebedarfs einzuhalten. Beim Bilanzverfahren ist es diesen Gebäuden gestattet, bi den Höchstwerten für neue Gebäude zu übersteigen.
  5. Bei einer Erweiterung der gesamten Nutzfläche um mehr als 50 m² sind die Werte für Neubauten ausschlaggebend.

In der EnEV sind viele Verweise zu Statik und Regelung der Technik auf EN/DIN-Normen enthalten. Normen werden mit Angabe des Ausgabedatums rezitiert und gelten indirekt als Bestandteil der EnEV. Dadurch will man sicherstellen, dass eine Änderung der Normen nicht automatisch das Anforderungsniveau der EnEV verändert.

 

Was ist der "Primärenergiebedarf"?

Mit dem Begriff „Primärenergiebedarf“ ist die gesamte Energiemenge gemeint, die für den Endenergiebedarf aufgebracht werden muss. Er bezieht also auch denjenigen Energiebedarf „außer Haus“ mit ein, der im Zusammenhang mit der Brennstoffgewinnung, -umwandlung und –verteilung entsteht.

Der Primärenergiebedarf wird in der Bundesrepublik Deutschland nach EnEV wie folgt ermittelt:

Qp = ep x ( Qh + Qtw )

Dabei steht

  • Qh für den Heizwärmebedarf (Energie, die zur Gebäudebeheizung benötigt wird),
  • Qtw für den Wärmebedarf, der für die Warmwasserbereitung aufgebracht werden muss und
  • ep als sog. Aufwandszahl für für die Relation zwischen Aufwand und Nutzen.

Der Primärenergiefaktor fließt in diese Zahl ein. Entsprechend hierzu wird der Primärenergiebedarf pro Jahr in kWh/(m² x a) ausgewiesen (Qp). Dies bezieht sich dann auf die Nutzfläche eines Gebäudes.

  • Endenergiebedarf
    Als Endenergiebedarf bezeichnet man in Deutschland die Menge an Energie die bei gemittelten Klimaverhältnissen zur Deckung der Heizwärmekosten genügt. Die tatsächliche Größe dieser Energiemenge variiert jedoch auf Grund des Gebäudenutzers und der lokalen Wetterbedingungen.

  • Heizwärme- und Trinkwasserwärmebedarf
    Bei Neubauten sind für den Heizwärmebedarf unter 70 kWh/m²a vorgesehen; beim Trinkwasserwärmebedarf werden keine Verluste, die beispielsweise durch die Energieumwandlung entstehen, einbezogen. Es wird bei den üblichen Verfahren eine Pauschale von 12,5 kWh/(m²a) angewendet, wobei auf die Gebäudenutzfläche Bezug genommen wird. Dieser Wert entspricht einem Bedarf von täglich 23 Litern pro Person.

Die Geschichte der EnEV:

Das Energieeinsparungsgesetz (EnEG) ist gewissermaßen die „Mutter“ der EnEV: Es trat bereits 1976 in Kraft und war in den Zeiten der beiden großen Ölkrisen und dem Priediktat durch die PPEC vor allem dem Wunsch geschuldet, eines Tages die Abhängigkeit der Bundesrepublik Deutschland von der Energieeinfuhr deutlich zu reduzieren. Auch die schon damals vorhandene Erkenntnis, dass sowohl die Erdgas- als auch die Erdölreserven nur noch für einen begrenzten Zeitraum zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stehen, spielte eine Rolle. Die Sorge um die Umwelt war in den 1970er Jahren hingegen noch relativ schwach ausgeprägt.

Das EnEG ist die Rechtsgrundlage für eine Reihe von Verordnungen, zu denen auch die EnEV gehört. Nicht im EnEG, sondern in den Verordnungen finden sich die konkreten Vorgaben, an die sich die Bürger zu halten haben. Die am 1. Oktober 2007 in Kraft getretene Fassung des EnEG diente in erster Linie der Umsetzung der „Richtlinie 2002/91/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2002 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden“. Hier geht es sowohl um die Steigerung der energetischen Gebäudeeffizienz als auch um die Verbesserung des Informationsgehalts der Energieausweise.

Die EnEV löste 2002 die Wärmeschutzverordnung sowie die Heizungsanlagenverordnung ab und bündelte deren Vorgaben. Seit der 2007 durchgeführten Novellierung ging es immer wieder darum, die jeweils geltenden EU-Vorgaben entsprechend umzusetzen. Seit dieser Zeit steht im Fokus, dass für Gebäude energetische Gesamtbilanzen erstellt werden, die die durch die Wärmedämmung und die Anlagentechnik erreichten Werte zueinander in Beziehung setzen. Seitdem können Mängel auf der einen Seite durch gute Messergebnisse auf der anderen kompensiert werden.

Durch die Entstehung der EnEV wurde die Bilanzierungsräume in doppelter Weise erweitert:

  • Die Anlagentechnik wird in die Energiebilanz einbezogen. Somit können auch Verluste bei der Gewinnung, Verteilung, Übergabe und/ oder Speicherung der Wärme aufgedeckt und in die Bilanz einbezogen werden. Dadurch wird die dem Gebäude Endenergie ausschlaggebend und nicht mehr die zur Verfügung stehende Nutzenergie.
  • Der Bedarf an Energie eines Gebäudes kann primärenergetisch bewertet werden. Verluste bei Gewinnung, Umwandlung oder Transport des Energieträgers können durch einen Primärenergiefaktor in die Energiebilanz des jeweiligen Gebäudes einbezogen werden.

Die Änderungen ermöglichen somit hinsichtlich der Gesamtbilanz eines Gebäudes ein kompletteres Bild des energetischen Effizienzgrades. Anlagentechnik und Wärmeschutz können so in einem gewissen Maß verrechnet werden. Ein Beispiel zur Erläuterung: Falls ein Gebäude schlecht gedämmt ist, aber über eine effiziente Heizanlage verfügt, wird dies zusammen gerechnet. Bei diesem Beispiel würde die Heizanlage sozusagen ein Ausgleich für die schlechte Dämmung sein.

Der zentrale Begriff ist für Neubauten im Bezug auf die EnEV der sogenannte Jahresprimärenergiebedarf. Hierbei wird ein Vergleich zwischen einem Referenzgebäude mit identischer Abmessung, Geometrie und den vorgeschriebenen technischen Eigenschaften, gezogen. Darüber hinaus ist ein Grenzwert für die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogen auf den Transmissionswärmeverlust einzuhalten. Erstmals werden durch die EnEV auch Anforderungen in Bezug auf den Wärmeschutz im Sommer gestellt. Dabei findet die solare Wärmegewinnung Berücksichtigung.

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