Niedrigenergiehaus-Beratung

Um die Thematik des "Erneuerbare Energien Wärmegesetz" richtig verstehen zu können, benötigt man einige Hintergrundinformationen. Diese werden in den folgenden Absätzen anschaulich geschildert. Die Abschnitte dienen Ihrer Information und ggf. der Nutzung von Förderungsmöglichkeiten im Rahmen des "Erneuerbare Energie Wärmegesetz". Die Förderung wird im letzten Abschnitt erläutert.

 

Woher nehmen wir die Wärme in unserem täglichen Leben?

Da der Mensch nicht mit einem dicken Fell gesegnet ist, braucht er Wärme. In Deutschland ist Wärme nahezu ein Grundbedürfnis, sei es morgens die warme Dusche oder das gewärmte Haus im Winter. Hierbei spielt die Jahreszeit nur eine untergeordnete Rolle, denn im Sommer wird zwar keine Wärmeerzeugung benötigt, aber ebenfalls Energie zur Kühlung aufgewendet. Der Energiebedarf zur Wärmeerzeugung ist in Deutschland gigantisch. Fast fünfzig Prozent der gesamten Endenergie, die wir in Deutschland verbrauchen, wird allein für die Erzeugung von Raum- und Prozesswärme verbraucht. Diese Energie wird aus vielen verschiedenen Quellen gewonnen. Dabei bezieht die Bundesrepublik Deutschland 13,7 % aus erneuerbaren Energien (Stand: 2014; Quelle: Umweltbundesamt). Der Hauptteil der benötigten Endenergie wird aus fossilen Energiequellen wie Kohle, Öl und Erdgas bezogen. Atomenergie hingegen bildet keinen Bestandteil der Wärmeversorgung. Aus ihr wird ausschließlich Strom produziert.

 

Ist der Wärmebedarf in Deutschland ein Problem?

Generell ist die Wärmeversorgung in der Bundesrepublik Deutschland für viele Jahre sichergestellt. Dennoch stellt die Wärmeversorgung auf lange Sicht ein Problem dar. Dies hat mehrere Ursachen:
Energieträger wie Öl, Gas und Kohle sind fossile Brennstoffe und deshalb nur begrenzt auf unserem Planeten vorhanden. Ihre Vorkommen werden immer knapper, gleichzeitig nimmt die Nachfrage nach Energie jedoch stetig zu. Die Preise für fossile Brennstoffe werden daher exponentiell steigen, sofern sie weiterhin nur auf konventionellem Weg gefördert werden. Sobald Fracking, also das mithilfe von hohem Druck und Chemikalien durchgeführte Förderverfahren, mit dem sich Erdgas- und Erdölvorkommen auch in ansonsten schlecht nutzbaren Gesteinsschichten erschließen lassen, in Europa in größerem Umfang eingesetzt wird, kann nur schwer eine belastbare Prognose zur Preisentwicklung abgegeben werden. In diesem Fall ist ein Preisverfall wie derzeit in den USA auch hier durchaus vorstellbar.

Gas und Öl werden zu einem enormen Anteil in geopolitisch problematischen Ländern und Regionen gewonnen. Da Deutschland selbst über keine nennenswerten Vorkommen verfügt, ist es insofern politisch und wirtschaftlich von anderen Staaten abhängig.

Ein weiterer Punkt ist die Umweltbelastung. Gas und Öl tragen in einem hohen Ausmaß zu Klimawandel und Treibhauseffekt bei. Von etwa 800 Millionen Tonnen CO2-Emissionen im Jahr gehen 40 Prozent auf Gas und Öl zurück, die der Wärmeerzeugung dienen.

Was kann dagegen getan werden?

Jeder Mensch in Deutschland kann die zur Verfügung stehende Energie effizienter nutzen oder weniger verbrauchen. Dadurch wird der Bedarf an Wärmeenergie reduziert.

Um zur direkten Thematik "Haus" zu führen:
Ein Beispiel ist die Dämmung von Gebäuden. Je besser ein Haus gedämmt ist, desto weniger Energie verbraucht es, weil erwärmte Innenluft nicht nach draußen und kalte Außenluft nicht nach innen dringen. Vor allem massive Häuser haben sehr gute Dämmeigenschaften.

Die Bundesregierung hat durch Reformen und neue Gesetze schon erste Erfolge im Bereich der Energiereduzierung erzielt. Durch die Modernisierungsmaßnahmen an Gebäudewänden und durch effizientes Heizen konnte der CO2-Ausstoß im Wohnbereich zwischen 1990 und 2005 um 16 Millionen Tonnen gesenkt werden. Das entspricht 13 Prozent weniger Kohlendioxid.
Energie durch effizientere Nutzung zu sparen ist eine Alternative. Die andere ist, mehr erneuerbare Energien zu nutzen, denn erneuerbare Energien sind umweltfreundlich und unendlich verfügbar. Das ist ein offensichtlicher Vorteil gegenüber fossilen Energieträgern. Des Weiteren kommt die Nutzung von erneuerbaren Energiequellen unserer Wirtschaft zugute, denn Deutschland ist ein Vorreiter bei der Entwicklung von Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Wer erneuerbare Energie nutzt, stärkt die heimische Wirtschaft und macht Deutschland unabhängiger von Rohstofflieferanten und Preisvorgaben aus dem Ausland. Außerdem bedeuten weniger Energieimporte eine höhere Wertschöpfung im Inland.

Welche Arten von erneuerbaren Energiequellen können zur Erzeugung von Wärme genutzt werden?

Es gibt viele Arten von erneuerbaren Energiequellen. Die Energie der Sonne kann durch Solaranlagen genutzt werden, die immer häufiger auf Dächern zu sehen sind. Im Erdinnern befindet sich nutzbare Wärme (Geothermie). Auch aus Luft und Grundwasser kann Wärme gewonnen werden. Mithilfe von Wärmepumpen können diese Lieferanten nutzbar gemacht werden.
Des Weiteren kann Energie aus Biomasse erzeugt werden. Biogase und Pflanzenöle dienen hierbei als Grundlage. Diese werden aus beispielsweise aus Gülle oder Mais gewonnen. Obwohl Holz eine endliche Quelle als Energie-Lieferant ist, da Holzvorkommen natürlich begrenzt sind, wird Holz ebenfalls als erneuerbare Energie bezeichnet, da Bäume wieder angebaut werden. Im Form von zum Beispiel Holzpellets oder Holzhackschnitzeln dient Holz als Wärmelieferant.

Warum wird heutzutage nur ein geringer Anteil an erneuerbaren Energiequellen genutzt?

Insgesamt wird der Wärmebedarf der Bundesrepublik Deutschland zum Großteil von fossilen Brennstoffen gedeckt. Der Anteil der erneuerbaren Energiequellen ist noch relativ gering, er steigt seit Jahren jedoch stetig. Das Zukunftspotenzial ist sehr groß: Schon im Jahr 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien nach Plänen der Bundesregierung auf 14 Prozent steigen, Branchenexperten prognostizieren sogar 25 Prozent. Damit werden bereits, wenn sich die Vorstellungen der Bundesregierung erfüllen, über 86 Mio. Tonnen CO2 weniger ausgestoßen. Doch damit sind die erneuerbaren Energiequellen noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung. Studien von führenden Forschungsinstituten bestätigen, dass die aus erneuerbaren Quellen gewonnene Energie im Jahre 2050 den Wärmebedarf Deutschlands zu 50 Prozent decken kann!

Muss ich als Verbraucher mehr Geld zahlen, wenn ich auf erneuerbare Energien setze?

Dies ist eine weitverbreitete, jedoch klar falsche Ansicht! Früher hat man erneuerbare Energie vor allem mit Strom in Verbindung gebracht. Diese Ansicht ändert sich, da gerade im Wärmebereich ein sehr großes Potenzial steckt. Die Grundlage für eine ordentliche staatliche Regelung im Wärmebereich wurde mit dem Erneuerbaren Energie Wärmegesetz geschaffen. Denn auf Grund der Potenziale bedarf es klarer Gesetze.
Dennoch werden viele Verbraucher von den teilweise hohen Investitionskosten abgeschreckt. Dazu kommt, dass vielen von ihnen schlichtweg das Vertrauen fehlt, um in diese Art von Energieanlagen zu investieren. Doch zu Unrecht: Denn wer schon heute mit erneuerbaren Energien heizt, tut nicht nur etwas für die Umwelt, sondern schont auch seinen eigenen Geldbeutel. Denn leider ist es bisher weitgehend unbekannt, dass erneuerbare Energie-Anlagen mittel- und langfristig wirtschaftlicher sein können als herkömmliche Anlagen. Die Preise für Öl und Gas steigen stetig, umso schneller rechnen sich Anlagen, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Hat ein Barrel Öl vor wenigen Jahren noch rund 30 Dollar gekostet so kostet im Jahre 2011 das Barrel 104 Dollar (Stand Februar 2011). 2008 war der Preis sogar schon einmal bei über 130 Dollar. Wer also zum Beispiel in einen Pelletkessel investiert, muss eine vergleichsweise hohe Investitionssumme aufbringen, hat dann aber geringe Betriebskosten und bekommt keine Öl- oder Gasrechnung mehr.

Ist die gesetzliche Grundlage schon in Kraft getreten?

Am 6. Juni 2008 hat der Bundestag auf Grundlage eines Entwurfs unserer Bundesregierung das Erneuerbare Energien Wärmegesetz beschlossen, im Januar 2009 ist es in Kraft getreten. Das Gesetz legt fest, dass spätestens im Jahr 2020 14 Prozent des gesamten Wärmebedarfs in Deutschlands aus erneuerbaren Energiequellen stammen müssen.

 

Genaue Betrachtung des EEWärmeG

Das Gesetz zu Nutzung erneuerbarer Energien besteht grob aus drei Teilen:

  1. Nutzungspflicht
    Bei jedem Neubau müssen erneuerbare Energien für die Wärmeversorgung genutzt werden. Diese Pflicht schließt Wirtschaft, Staat und private Gebäuden ein. Bei der Nutzung ist es jedem Eigentümer überlassen, welche Arten von erneuerbaren Energien er nutzt. Hierbei besteht seit dem 1. Januar 2009 die Möglichkeit, verschiedenen Quellen zu kombinieren.
  2. Finanzielle Förderung:
    Für die Nutzung von erneuerbaren Energien sieht der Staat eine finanzielle Förderung vor. Diese garantiert einen Anreiz für private Bauherren und Eigentümer und bedeutet mehr Planungssicherheit für Investoren.
  3. Wärmenetze:
    Das Gesetz sieht vor, dass Kommunen und Gemeinden im Interesse des Klimaschutzes agieren und Wärmenetze betreiben, die mittels einer Heizzentrale viele verknüpfte Wärmneverbraucher versorgen.

Um eine bestmögliche Kombination für Sie zusammenzustellen, ist eine Nachfrage bei Ihrem Bauamt nötig. Wenn die jeweils nötigen Voraussetzungen erfüllt werden, darf grundsätzlich jede Variante für die Erfüllung des Gesetzes genutzt werden. Biogas und Pflanzenöle bekleiden eine Sonderstellung: Ihre Einspritzung darf nur anteilig in hocheffizienten Anlagen, die den Nachhaltigkeitsanforderungen entsprechen, geschehen.

Wie kann der Staat mir als Gebäudeeigentümer finanziell helfen?

Energetische Maßnahmen an Gebäuden werden über das sogenannte Marktanreizprogramm gefördert. Dieses Förderprogramm, das von der Bundesregierung aufgelegt wurde, hat sich bewährt. Es hat in der Vergangenheit den Anteil der erneuerbaren Energien zwar nicht horrend steigen lassen, ist aber dennoch erfolgreich. Seit Beginn des Programms wurden Fördermittel von 827 Mio. Euro bereitgestellt. Daraus konnten neue Investitionen von über 6 Milliarden Euro bezahlt werden. Auf Grund dessen wird das Marktanreizprogramm fortgeführt, vereinzelt wird jedoch nachgebessert. Dies kommt den einzelnen Bürgerinnen und Bürgern zugute, da die Fördersumme deutlich erhöht wurde.

Wie kann ich individuell gefördert werden?

Förderantrage für ihre ganz individuelle Förderung können sie beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, kurz BAFA, stellen.

Anzumerken ist:
Wer erneuerbare Energien einsetzen muss, wird dafür nicht gefördert, wer freiwillig mehr tut wird belohnt. Ein Gebäudeeigentümer, der fortschrittliche Technologien nutzt, die zum Beispiel besonders effizient sind oder sehr geringe Abgaswerte aufweisen, wird vom Staat auch in Zukunft unterstützt. Das Gleiche gilt, wenn der Anteil des Wärmebedarfs, der durch erneuerbare Energien gedeckt wird, höher ist, als vom Gesetz her vorgeschrieben oder wenn erneuerbare Energien mit Energieeffizienzmaßnahmen kombiniert werden.

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