Niedrigenergiehaus-Beratung

Energiestandards der Gegenwart und Zukunft beim Hausbau

Von Bauweisen, über die Entwicklung immer effizienter Heizungs- und Speichertechnik bis hin zum Niedrigstenergiehausstandard der Zukunft.

Daumenschrauben für Hausbauer? Darum werden Baukosten noch weiter steigen

Die jüngste Novellierung der Energieeinsparverordnung (EnEV) zum 1. Januar 2016 ist kaum gültig, da denkt die Bundesregierung bereits über weitere Verschärfungen nach: Das ehrgeizige Klimaziel, eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um 40 %, ist aus heutiger Sicht kaum noch einzuhalten. Auch das Ziel der EU, dass bis 2050 der gesamte europäische Gebäudebestand klimaneutral sein soll, ist ambitioniert.
Nachdem es nun in Deutschland bislang de facto darum ging, möglichst dicke Wärmedämmplatten an die Hausfassaden zu montieren und auch dort, wo nachweislich zu wenige Sonnenstunden sind, Solaranlagen in Massen auf die Dächer zu bringen, verlagert sich nun die Aufmerksamkeit der Gesetzgebung.


 

Der neue klimapolitische Heilsbringer steht schon in den Startlöchern

Für private Hausbauer wird es ab 2021 interessant: Ab dann müssen Neubauten dem Niedrigstenergiestandard entsprechen. Das sehen die EU-Gebäuderichtlinie  (Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden - EPBD 2010) und das Energieeinsparungsgesetz (EnEG) vor. Das EnEG geht allerdings über die EU-Richtlinie hinaus und schreibt ab diesem Zeitpunkt diesen hohen energetischen Standard  vor. Der Energiebedarf dieser Gebäude liegt bei praktisch null, einbezogen wird dabei die gesamte benötigte Energiemenge.

Wenn man den Maßstäben der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) folgt, handelt es sich um ein KfW-Haus 55: Gebäude dieser Art verbrauchen dann nur noch 55 % der Energie eines vergleichbaren und definierten Referenzgebäudes. Das entspricht einem maximalen Primärenergiebedarf von 40 kWh/(m2 a).

Dieser Wert ist mit den üblichen und mittlerweile eingespielten Bestandteilen des energetischen Bauens nicht mehr zu erreichen: Eine Fassadendämmung funktioniert nicht nach dem Prinzip „Viel hilft viel“, sodass üblicherweise abhängig vom Dämmmaterial Dämmschichten zwischen 14 und 18 cm gewählt werden. Auch der Möglichkeit, mit einer Solaranlage Strom oder Warmwasser zu erzeugen, sind durch die zur Verfügung stehende Dachfläche Grenzen gesetzt. Doch das Bundeswirtschaftsministerium hat sich des Sachverstands des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung (BBSR) bedient, das eine weitere Technologie in den Fokus genommen hat: die Wärmepumpe.

 

Sind hohe Zusatzkosten mit Geldanlagen vergleichbar?

Nach Ansicht des BBSR: ganz klar ja! Es bedient sich dabei eines Rechenmodells, das einen Finanzberater augenblicklich unseriös erscheinen lassen würde: Um zu belegen, dass sich die zusätzlichen Kosten für eine Wärmepumpe letztendlich amortisieren, werden sehr lange Zeiträume von um die 30 Jahren zugrunde gelegt. Man muss nicht über enorme mathematische Kenntnisse verfügen, um das Prinzip hinter dieser Sichtweise zu verstehen: Irgendwann hat sich jede Maßnahme amortisiert, wenn nur der angenommene Zeitraum großzügig genug gewählt wird.  Nur Geduld!
Aber: Die Rechtslage sieht gem. § 5 Abs. 1 Energie-Einsparungsgesetz  vor, dass „Anforderungen (…) als wirtschaftlich vertretbar gelten, wenn generell die erforderlichen Aufwendungen innerhalb der üblichen Nutzungsdauer durch die eintretenden Einsparungen erwirtschaftet werden können.“ Der Blick auf Websites von Wärmepumpen-Herstellern zeigt, dass diese ihren Anlagen eine durchschnittliche Lebensdauer von nur 15 bis 20 Jahren zusprechen. Vereinzelt halten die Pumpen auch 25 Jahre durch. Das ist in jedem Fall weniger, als es die staatlichen Rechenmodelle versprechen. Oder anders ausgedrückt: Die künftigen energetischen Anforderungen an Neubauten lassen sich nur noch mit Wärmepumpen erfüllen, deren Anschaffung sich niemals amortisieren kann, weil sie vorher ihr Leben aushauchen. Die Folge: Der Hausbau wird sowohl für den privaten als auch den gewerblichen Bereich erheblich teurer werden. Dabei ist nicht zu erwarten, dass die mit diesem energetischen Rundumschlag eingesparten Energiekosten jemals wieder eingespielt werden können. Die Katze beißt sich in den Schwanz.

 

Es kommt noch dicker

Nach Ansicht der Fachleute basiert die angebliche Effizienz von Wärmepumpen auf einem Fehler im Rechenkonstrukt: In Beispielberechnungen wird durchgehend davon ausgegangen, dass die Temperatur für das Heizungswasser 19 °C beträgt. Doch wer sich gerade im Winter erst bei einer Raumtemperatur von 22° C wohl fühlt, muss in Kauf nehmen, dass die Öko-Bilanz seiner teuren Wärmepumpe ins Negative abgleitet.
Darüber hinaus gehen diese Musterrechnungen davon aus, dass das Gebäude mit einer dicken Dämmschicht eingepackt wurde – wobei es sich in etwa 80 % der Fälle um das kostengünstige, aber umweltschädliche und bei einem Brand gefährliche Polystyrol handelt, das Deutschland in wenigen Jahrzehnten vor ein fast uferloses Entsorgungsproblem stellen wird.

 

Schieflage in den Verbrauchsberechnungen

Wärmepumpen werden am meisten gebraucht, wenn es draußen kalt ist – im Herbst, Winter und dem Großteil des Frühlings. In diesen Jahreszeiten, zu denen in Deutschland die Monate Oktober bis März gezählt werden können, haben sie auch ihren größten Energiebedarf. Da jedoch das Sonnenlicht knapp ist und der Wind oft wochenlang nicht weht, muss dieser Bedarf durch Energie gedeckt werden, die in Kohlekraftwerken erzeugt wurde. Die Situation verschlechtert sich für die Verbraucher außerdem noch durch den Umstand, dass die in Broschüren oder Verkaufsgesprächen beworbenen Leistungen mit denen in der Realität nicht mehr viel gemeinsam haben und insgesamt eher enttäuschend sind. Man kennt das bereits aus der Automobilbranche.

Vor diesem insgesamt für die meisten Bürger sehr enttäuschendem Szenario bleibt nur die Hoffnung, dass sich die Bundesregierung hinsichtlich der Vorgaben, die zu höheren energetischen Standards führen sollen, Gedanken macht und die bisherigen Überlegungen grundsätzlich infrage stellt.

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